Die niedrigen Zinsen treiben Investoren in riskante Kapitalanlagen

Die niedrigen Zinsen sorgen für einen Anlagenotstand in ganz Europa. Das führt dazu, daß es immer mehr Risikoinvestoren gibt, die mit billigem Geld StartUps finanzieren.

So wird das Geld zu fast Null Zinsen geliehen und auch in zweifelhaft Geschäftsmodelle gesteckt. Nach dem Motto, wenns klappt dann wird alles gut und wenn nicht, dann lässt man die Firma halt in die Insolvenz rutschen. Diese Fehlallokation von Kapital wird durch die extreme Geldpolitik der EZB verursacht, die die Kreditvergabe ja auch ankurbeln möchte.

Leider entsteht dadurch die nächste Blase und zwar nicht nur an der Börse, sondern auch bei den Firmenfinanzierungen und Venture Capital Geldanlagen. So werden beispielsweise Gelder in Startups und andere Firmen gepumt, obwohl manche die rechtliche Lage oder wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells anzweifeln, oder es bereits konkurrierende und etablierte Plattformen gibt. Die Risikobeurteilung wird bei vielen Geldgebern in Zeiten niedriger Zinsen etwas laxer gehandelt.

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Eines dieser mit reichlich Geld finanzierten Firmen ist compensation2go. Bei compensation2go handelt es sich um eine Plattform, bei der der die Kunden ehemalige Fluggäste sind, die mögliche Entschädigungsansprüchen nach Art. 7 der Fluggastrechte-Verordnung (VO EG Nr. 261/2004) geltend machen können. Diese geschädigten Fluggäste haben einen gesetzlichen Anspruch von 250 bis 600 Euro bei Nichtbeförderung, Annullierung oder großen Verspätungen ihrer Flüge. Hier setzt das Geschäftsmodell an, denn vielen Kunden ist das zu wenig, um das Risiko der Anwalts- und Prozesskosten auf sich zu nehmen, ganz zu schweigen vom zeitlichen Aufwand. Und die Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten Fluggesellschaften die Forderungen aussitzen und erst dann zahlen, wenn sie verklagt werden.

Im Grund also eine clevere Idee der Firma, obwohl es bereits andere Anbieter mit einem ähnlichen Geschäftsmodell gibt. Es gibt aber eben auch rechtliche Risiken und auf Grund des großen Kapitaleinsatzes und der Fremdfinanzierung könnte das Modell wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar sein. Oder eben doch, möglicherweise lässt sich mit dieser Plattform richtig viel Geld verdienen, wenn sich genug Kunden finden lassen.

Allerdings frage ich mich, warum der Gründer und Chef der Firma nebenbei noch sein Jura Studium abschliessen möchte, wie er in einem Interview mit einer juristischen Plattform sagte. Ein Startup aufzubauen und zu führen dürfte ein Vollzeit Job sein. Bedenklich ist ebenfalls, daß die juristische Bearbeitung der Fälle von einer externen Anwaltskanzlei durchgeführt wird. Die werden dafür ja auch Geld verlangen und wenn man sagen wir mal 30% von 250 bis 600 Euro erhält, dann sind das 75 bis 180 Euro. Ob damit die Gerichts-, Anwalt-, Platform,- Kredit-, Personal- und allgemeinen Kosten gedeckt werden können? Dazu müssten es doch zig tausende Fluggäste pro Jahr geben, die Entschädigungsansprüche haben und sich alle auch an die Firma wenden. Kann ja sein, aber ich habe meine Zweifel, ob das Geschäftsmodell langfristig profitabel werden kann.

Der Punkt dabei ist aber, daß es immer mehr Geldgeber gibt, denen das Risiko egal ist. Denn man spekuliert in der heutigen Zeit halt schneller, Mario Draghi will es ja so…